Finanzmarkt

Stresstest für Großbanken

Sind die großen Banken in Europa ausreichend gegen Krisen gewappnet? Das haben die Europäische Zentralbank und die Europäische Bankenaufsichtsbehörde in einem so genannten Stresstest bei den 48 größten Banken in der Europäischen Union und in einigen weiteren Ländern geprüft, auf die etwa 70 % des Geschäftsvolumens der Institute dieses Raumes entfallen. Aus Deutschland waren die Deutsche Bank, die Commerzbank, vier Landesbanken, die Deutsche Genossenschaftsbank sowie die nordrhein-westfälische Förderbank NRW-Bank beteiligt.

Die Aufsichtsbehörden simulierten ein Krisenszenario, das einen Einbruch am Finanzmarkt, Währungsturbulenzen und Kreditausfälle zum Inhalt hat. Sie ermittelten, ob die Banken solche Fehlentwicklungen verkraften können. Das beurteilten sie daran, ob die Banken nach der simulierten Krise noch ein Eigenkapital in Höhe von mindestens 5,5 % der Bilanzsumme haben würden.

In dem theoretischen Krisenszenarium wird unterstellt, dass die Wirtschaftsleistung in Europa in diesem Jahr um 1,2 % und im nächsten Jahr um 2,2 % zurückgeht und 2020 um 0,7 % zunimmt. Weiter unterstellt das Modell, dass die Arbeitslosenquote in der EU im Jahr 2020 bei 9,7 % liegt, die Immobilienpreise bis Ende 2020 um 19,1 % sinken, die Staatsanleihen deutliche Verluste verursachen und aus all diesen Gründen die Kreditrisiken steigen. Wie stark eine Bank von diesem Szenario betroffen ist, hängt letztlich von ihrem Geschäftsmodell ab.

Die Vorgaben waren nicht für alle Länder gleich. Beispielsweise wurde für Deutschland ein stärkerer Wirtschaftsabschwung als für Frankreich und Italien unterstellt. Dieser Unterschied wurde damit begründet, dass in Deutschland aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage erst ein größerer Abschwung als in den beiden anderen Ländern erhebliche Probleme für die Banken schaffen würde.

Auf der Grundlage ihrer Bilanz per Ende 2017 mussten die beteiligten Kreditinstitute er-mitteln, wie sich ihr Eigenkapital innerhalb der nächsten drei Jahre entwickeln würde, wenn die beschriebene Entwicklung tatsächlich eintreten würde.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind sehr unterschiedlich. Positiv ist, dass fast alle Institute auch nach dem unterstellten Schreckensszenarium noch die von den Aufsichtsbehörden geforderte Eigenkapitalquote von mindestens 5,5 % erreichen. Einen Handlungsbedarf sehen die Aufseher für Maßnahmen zur Verbesserung der Ertragslage. Im Allgemeinen sind die Kreditinstitute krisensicherer als noch vor einigen Jahren. Die deutschen und die britischen Banken weisen eine ungünstigere Entwicklung als der Durchschnitt der beteiligten Institute auf. Eine besondere Beachtung fanden die italienischen Institute. Die Quote ihrer risikobehafteten Kredite ist gegenüber der vorhergehen-den Untersuchung zwar gesunken, aber immer noch zu hoch. Deshalb mussten bereits mehrere Banken Kapitalerhöhungen durchführen.

Als Ergebnis der Untersuchungen veröffentlichen die Aufsichtsbehörden zwar kein „Bestanden“ oder „Durchgefallen“, aber natürlich werden die Testergebnisse nicht ohne Konsequenzen bleiben. Wer insgesamt oder in Teilbereichen schlecht abschneidet, wird von den Aufsichtsbehörden aufgefordert, unverzüglich geeignete Gegenmaßnahmen durchzuführen.

Der Test kann dazu beitragen, Risiken einer großen und für die Volkswirtschaft bedeutenden Bank rechtzeitig zu erkennen. Eine Gewähr kann er dafür natürlich nicht bieten, weil die Krisenszenarien, die Grundlage für die Beurteilung sind, letztlich willkürlich fest-gelegt werden mussten und weil individuelle Fehlentwicklungen bei einer Bank aufgrund von Sondereinflüssen nicht vorhersehbar sind.

Keine Hoffnung auf angemessene Zinsen

Allmählich reichts! Aufgrund der extrem niedrigen Leitzinssätze der Europäischen Zentralbank, bei der die Geschäftsbanken sich in einem bestimmten Rahmen Geld zum Null-Tarif leihen können, bekommen die Sparer schon seit mehreren Jahren für ihre Bankguthaben kaum noch Zinsen. Sie haben sich lange Zeit damit getröstet, dass nicht nur die Verzinsung, sondern auch die Inflationsrate sehr niedrig war. Dadurch vermehrte sich der reale Wert ihrer Ersparnisse zwar nicht, er nahm aber zum Glück auch nicht ab. Doch das hat sich allmählich geändert. Aktuell liegt die Inflationsrate in Deutschland bei 2,5 %. Ein Zinssatz in dieser Höhe ist mit einem Sparkonto nicht zu erreichen. Noch weniger Zinsen gibt es für Anleihen des Bundes. Ihre Zinssätze liegen bei einer Laufzeit von fünf Jahren bei knapp über Null, bei einer Laufzeit von zehn Jahren bei etwa einem Prozent. Wer sich bei dieser absolut sicheren Anlageform für eine kurze Laufzeit entscheidet, muss sogar den nominalen Rückgang seiner Anlage hinnehmen, weil er so genannte Negativzinsen zahlen muss.

Lange Zeit war die Gesamtrendite des Geldvermögens der privaten Haushalte, zu dem auch Wertpapiere und Ansprüche aus Lebensversicherungen zählen, höher als die Inflationsrate. Doch inzwischen sind festverzinsliche Wertpapiere mit Renditen, die ober-halb der aktuellen Werte liegen, ausgelaufen. Sie wurden durch sehr gering verzinsliche Papiere ersetzt. Dadurch liegt die Gesamtrendite der Anlagen der privaten Haushalte jetzt unterhalb der Inflationsrate. Diese Situation ist auf Dauer natürlich völlig unbefriedigend.

Die aktuelle Lage kann eine gefährliche Entwicklung auslösen. Wer mit seinem Zinsertrag nicht zufrieden ist, kann auf Anlageformen ausweichen, die eine wesentlich höhere Rendite erbringen. Doch die Sache hat einen Haken: Nicht nur die möglichen Erträge, sondern auch die Risiken sind höher. Im schlimmsten Fall erhält somit der Anleger nicht eine hervorragende Rendite, sondern verliert sein Kapital.

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass der Einfluss der Zinsen auf die Wirtschaftsentwicklung überschätzt wurde. Für Investitionsentscheidungen spielt die Höhe der Kreditzinsen zwar eine Rolle, aber offensichtlich nicht die wichtigste. In Zeiten der Hochkonjunktur haben sich die Unternehmer von hohen Kreditzinssätzen nicht von Investitionen abhalten lassen, weil sie ihre Erfolgsaussichten trotz der hohen Zinsen als überaus günstig einschätzten. Umgekehrt haben die extrem niedrigen Zinssätze nicht zu einem Boom in Europa geführt. Deshalb ist zu erwarten, dass eine zunächst nur geringe Erhöhung der Leitzinsen keine Gefahr für die Wirtschaft darstellt.

Die Europäische Zentralbank gibt den Sparern dennoch zurzeit keinen Anlass für eine Hoffnung auf bald steigende Zinssätze. Im Gegenteil: Sie hat in den vergangenen Monaten mehr oder weniger deutlich verkündet, dass eine Leitzinserhöhung vor Mitte des nächsten Jahres nicht zu erwarten sei.

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