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Sparen ist eine Tugend. In diesem Punkt sind wir Deutsche sehr tugendhafte Leute. Die Motive für das Sparen und die Anlagemöglichkeiten sind vielfältig. Während des schon seit mehreren Jahren bestehenden extrem niedrigen Zinsniveaus haben sich einige Besonderheiten herausgebildet.

Die Bundesbürger verfügten am Ende des zweiten Quartals dieses Jahres über ein Geldvermögen – das sind Bargeld, Bankguthaben, Wertpapiere und Ansprüche aus Lebensversicherungen – von 5,723 Billionen Euro. Das sind ausgeschrieben 5.723.000.000.000 Euro. Uns fehlt die Fähigkeit, eine solche Zahl richtig einzuordnen. Deshalb ist es hilfreich, daraus zu errechnen, dass das durchschnittliche Geldvermögen pro Person – vom Baby bis zum Greis, vom Milliardär bis zum Sozialhilfeempfänger – ca. 69.100 Euro beträgt. Jetzt kann jeder Leser für sich selbst beurteilen, wie sich sein Geldvermögen im Verhältnis zum Bundesdurchschnitt darstellt.

Das gesamte Vermögen der Bundesbürger ist wesentlich höher, denn in den vorstehenden Zahlen sind die Immobilien-Werte nicht enthalten. Darüber liegen keine verlässlichen Zahlen vor, weil der Aufwand für die Wertermittlungen nicht vertretbar ist.

Das Geldvermögen ist im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,8 % gestiegen. Damit hat sich eine bemerkenswerte Erfahrung aus den letzten Jahren bestätigt. Früher wurde die These vertreten, das wesentliche Motiv für das Sparen sei der Wunsch nach einer Erhöhung des Vermögens durch den Zinsertrag. Inzwischen ist deutlich geworden, dass das Bestreben nach Bildung von Rücklagen für die Wechselfälle des Lebens häufig der ausschlaggebende Grund für das Sparen ist.

Von dem gesamten Geldvermögen von 5,723 Billionen Euro entfiel mit 2,248 Billionen Euro der größte Teil auf Bargeld und Einlagen bei Banken und Sparkassen. Auf Platz 2 folgen die den Versicherungen und Pensionseinrichtungen anvertrauten Gelder mit 2,157 Billionen Euro. Damit machen diese beiden Anlageformen 77 % des gesamten Geldvermögens aus. Die Anlagen in Aktien und Anteilen an Investmentfonds sind zwar gestiegen, weil sie einen höheren Ertrag versprechen, aber der nur geringe Anteil an dem gesamten Geldvermögen zeigt, dass die Bundesbürger im internationalen Vergleich relativ börsenscheu sind. Bei der Abwägung zwischen der Chance auf einen hohen Ertrag und dem Risiko, einen Teil ihres Geldes zu verlieren, entscheiden sie sich überwiegend für sichere Anlagen.

Die Veränderungen im zweiten Quartal 2017 gegenüber dem ersten Quartal sind bemerkenswert. Das Geldvermögen nahm um 53 Milliarden Euro zu. Davon entfielen 31 Milliarden Euro auf Bargeld und täglich fällige Einlagen bei Kreditinstituten. Dagegen ging der Bestand an Spareinlagen, Sparbriefen und Termineinlagen leicht zurück. An diesen wenigen Fakten wird deutlich, dass sich die Bürger auf das völlig ungewöhnliche Zinsniveau eingestellt haben. Sie vermeiden mittel- und langfristige Anlagen zu Festzinssätzen, weil sie dann von steigenden Zinsen nicht sofort profitieren. Wenn dagegen ihr neu erworbenes Geld jederzeit verfügbar ist, können sie es langfristig anlegen, sobald die Zinsen wieder eine angemessene Höhe erreicht haben. Der nur sehr geringe Unterschied zwischen den Zinssätzen für kurz- und für langfristige Anlagen bietet keinen Anreiz, das Geld schon jetzt langfristig anzulegen.

Die Sparer haben in den vergangenen Jahren erhebliche Nachteile durch die niedrigen Zinsen hinnehmen müssen. Ihnen ist eine baldige Änderung der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank zu wünschen.

Falschgeld

So lange es Bargeld gibt, gibt es auch Fälschungen. Staaten und Notenbanken haben sich immer sehr bemüht, durch eine sehr schwer nachzubildende Gestaltung der Geldscheine und Münzen die Gefahr von Fälschungen zu reduzieren. Diese Maßnahmen waren durchaus erfolgreich. Sie können aber die Fälschungen nicht völlig verhindern, weil auch die Geldfälscher inzwischen über gestiegene Kenntnisse und verbesserte Einrichtungen zur Herstellung von Falschgeld verfügen.

Die Deutsche Bundesbank hat im ersten Halbjahr 2017 etwa 39.700 gefälschte Euro-Banknoten im Gesamtbetrag von 2,2 Millionen Euro aus dem Verkehr gezogen. Das bedeutet gegenüber dem zweiten Halbjahr 2016 eine Erhöhung um 8,7 %.

Die Aufteilung der angehaltenen Noten auf die einzelnen Werte ist sehr bemerkenswert. Von den festgestellten Fälschungen entfielen nur jeweils 1 % auf die Geldscheine über 5 und 200 Euro und 2 % auf die 500-Euro-Scheine. Die Gründe dürften klar ein: Die Fälschung der kleinsten Note „lohnt“ sich nicht, bei den beiden größten Scheinen fürchten die Fälscher sehr wahrscheinlich die intensiven Prüfungen. 63 % aller Fälschungen entfielen auf die 50-Euro-Scheine. Auf dem zweiten Platz folgten die 20-Euro-Scheine mit 23 %.

Die Bundesbank ist sicher, dass die Zahl der Fälschungen der 50-Euro-Scheine erheblich zurückgehen wird, weil die Europäische Zentralbank seit April neue 50-Euro-Scheine in Umlauf bringt, die besonders fälschungssicher sind. Die Wertzahl auf der Vorderseite des Scheines erscheint in Smaragdgrün. Der sichtbare Helligkeitsgrad dieser Stelle verändert sich bei jeder Änderung des Blickwinkels. Dieses problemlos zu erkennende Sicherheitsmerkmal nachzubilden, ist für die Geldfälscher ein großes Problem. Außerdem enthalten die neuen Scheine Sicherheitsmerkmale, die mit dem bloßen Auge nicht erkennbar sind, sondern erst unter UV-Licht oder Infrarotlicht sichtbar werden. Deshalb werden diese Scheine vor allem in Läden mit großen Bargeldumsätzen oftmals mit einem entsprechenden Gerät auf ihre Echtheit geprüft.

Die Bundesbank kann bei ihrer Prognose auf Erfahrungen zurückgreifen. Als im November 2015 neue 20-Euro-Scheine mit den verbesserten Sicherheitsmerkmalen in Umlauf gebracht wurden, ging die Zahl der Fälschungen dieser Banknote auf etwa die Hälfte zurück.

Die Zahl der Fälschungen erscheint auf den ersten Blick besorgniserregend. Doch sie bedarf einer Relativierung. Auf 10.000 Einwohner entfallen pro Jahr zehn falsche Banknoten oder Münzen. Die Bundesbank hat errechnet, dass wir 1.000 Jahre alt werden müssen, um einmal im Leben mit Falschgeld in Berührung zu kommen.

Wer einen Geldschein als falsch erkennt, ist verpflichtet, ihn bei der Polizei oder einer Bank abzuliefern. Einen Ersatz erhält er nicht. Damit ist die Versuchung groß, den Schein bei dem Einkauf in einem Laden einzusetzen, in dem aufgrund eines großen Andrangs an der Kasse wenig auf die Echtheit der Geldscheine geachtet wird. Doch Vorsicht ist geboten. Wer einen als falsch erkannten Geldschein weitergibt, riskiert hohe Strafen – auch wenn er ihn nicht selbst hergestellt hat.

Den Weltrekord im Einsatz von Falschgeld hält ein Geldfälscher, der in England Diamanten im Gesamtwert von etwa sechs Millionen Euro mit gefälschten 500-Euro-Scheinen kaufte. Die inzwischen angewandten Sicherheitsvorkehrungen deuten darauf hin, dass dieser Weltrekord noch lange Bestand haben wird.

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