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Einige Folgen der niedrigen Zinsen

Die Zinsen sind auf ein historisch niedriges Niveau gesunken. Ursache ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie strebt mit den niedrigen Zinsen ein höheres Wirtschaftswachstum im Euro-Währungsgebiet an. Seit 2008 hat sie – mit einer kleinen Ausnahme im Jahr 2011, als sie für einige Monate eine unwesentliche Zinserhöhung vornahm – regelmäßig ihre Zinssätze gesenkt. Inzwischen ist eine früher unvorstellbare Situation eingetreten: Die Banken müssen für Kredite der EZB keine Zinsen mehr zah-len. Andererseits vergütet die EZB ihnen für ihre Guthaben seit 2012 keine Zinsen mehr, seit 2014 müssen sie für die Guthaben sogar ihrerseits Zinsen zahlen. Als die Banken für ihre EZB-Guthaben noch Zinsen erhielten, waren sie bestrebt, ihre Bargeld-Bestände so niedrig wir möglich zu halten. Inzwischen ist das Gegenteil eingetreten. Seit etwa An-fang 2016, als der „Negativ-Zinssatz“ für ihre Guthaben auf 0,40 % erhöht wurde, unter-halten die Banken ihre Liquidität zu einem zunehmenden Maße in Form von Bargeld, statt das Geld wie früher auf ihr Bundesbank-Konto einzuzahlen. Der Anstieg ist beacht-lich. Ende 2015 betrugen die Bargeldbestände der Banken 19,5 Mrd. Euro, Ende 2017 32,1 Milliarden Euro. Das bedeutet eine Erhöhung um 65 %.

Die Banken haben ihre Zinssätze der Zinspolitik der Notenbank anpassen müssen. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung der bei ihnen unterhaltenen Einlagen gehabt. Die Sichteinlagen der Privatpersonen sind von Ende 2015 bis Ende 2017 von 1.081 Mrd. Euro auf 1.287 Mrd. Euro gestiegen. Dagegen haben sich die Termineinlagen in diesem Zeitraum kaum verändert. Sie betrugen Ende 2017 244 Mrd. Euro und machen damit nur etwa ein Fünftel der täglich fälligen Einlagen aus. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei den Spareinlagen, der traditionellen Sparform breiter Bevölke-rungskreise. Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten, in denen sie aufgrund der gestie-genen Einkommen regelmäßig zugenommen haben, sind sie von 2015 bis 2017 um 2,4 % gesunken.

Aus diesen Zahlen ist klar erkennbar, dass die Bankkunden mittel- und langfristige Anla-gen scheuen, weil sie ansonsten von einer Erhöhung des allgemeinen Zinsniveaus erst mit einer zeitlichen Verzögerung profitieren würden. Die geringe Differenz bei den Zinssätzen zwischen den verschiedenen Anlage- und Zinsfestschreibungszeiten bietet keinen Anreiz, dieses Risiko einzugehen. Für Einlagen auf Girokonten privater Kunden zahlen die Banken aktuell durchschnittlich 0,03 %, für Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit von mehr als zwei Jahren durchschnittlich 0,71 %.

Eine gegenläufige Entwicklung gab es im vergangenen Jahr bei den Wohnungsbaukre-diten. Im Bereich der einjährigen Zinsfestschreibungen nahmen sie ab, bei den Zinsfest-schreibungsfristen von über fünf Jahren nahmen sie trotz der etwas höheren Zinssätze zu. Hier zeigt sich eindeutig die Absicht, sich die relativ niedrigen Zinssätze für einen möglichst langen Zeitraum zu sichern.

Wie zahlen Sie?

Das Zahlungsverhalten der Bundesbürger ändert sich. Das Verhältnis zwischen Barzah-lungen und bargeldlosen Zahlungen verschiebt sich immer mehr. Das geht aus den Um-fragen hervor, die die Deutsche Bundesbank alle drei Jahre durchführt.

Eines hat sich bisher nicht verändert: Das beliebteste Zahlungsmittel ist immer noch das Bargeld. Das kommt auch in der Tatsache zum Ausdruck, dass die befragten Personen durchschnittlich Bargeld in Höhe von 107 Euro mit sich führen. Doch die Bedeutung des Bargeldes nimmt ab. Im vergangenen Jahr leisteten die Bürger 74 % aller Zahlungen in bar. 2014 waren es noch 5 Prozentpunkte mehr. Bei den Umsätzen machen die Barzah-lungen nur noch 48 % aus. Das Bargeld beschaffen sich die Bürger in 84 % aller Fälle an Geldautomaten. Der Anteil der Abhebungen an der Kasse einer Bank hat sich seit 2008 etwa halbiert. Die Bundesbank geht davon aus, dass die Zahl der Bargeld-Zahlungen weiter abnehmen wird.

Mit Debitkarten, das sind überwiegend die früher als EC-Karte bezeichneten girocards, werden 19 % aller Zahlungen geleistet, die 35 % des Umsatzes ausmachen. Ihr Umsatz-anteil ist in den vergangenen Jahren um knapp 6 Prozentpunkte gestiegen. Auch die Zahlungen mit einer Kreditkarte haben zugenommen. Sie haben allerdings keine große Bedeutung. Ihr Anteil am Umsatz beträgt nur knapp 5 %. Sie werden für Zahlungen von durchschnittlich 81 Euro eingesetzt. Die kontaktlosen Zahlungen, beispielsweise mit ei-nem smartphone, spielen bislang noch keine große Rolle. Dagegen ist die Zahl der In-ternet-Zahlungen weiter gestiegen, zum Teil allerdings, weil bei manchen Internet-Einkäufen keine Alternative zu dieser Zahlungsart besteht.

Bei der Wahl der Zahlungsart spielen mehrere Kriterien eine Rolle. In weiten Kreisen der Bevölkerung hat sich die Meinung gebildet, dass bargeldlose Zahlungen erst ab einer bestimmten Höhe angemessen sind. Beträge bis 5 Euro werden fast nur mit Bargeld ge-zahlt. Zahlungen von mehr als 100 Euro leisten die Bürger dagegen etwa doppelt so oft mit Hilfe einer Karte statt in bar.

Auch bei dem Zahlungsanlass und dem Ort der Zahlung bestehen zwischen Barzahlung und Kartenzahlung erhebliche Unterschiede. Beim Kauf von langlebigen Wirtschaftsgütern im Einzelhandel werden zu 71 % Debit und Kreditkarten genutzt. Zahlungen in Restaurants und Gaststätten werden dagegen weit überwiegend in bar geleistet. Erhebli-che Unterschiede gibt es auch bei den Zahlungsgewohnheiten in den verschiedenen Altersklassen. Personen, die 65 Jahre alt oder älter sind, bevorzugen die Barzahlung. 18- bis 24jährige Personen zahlen dagegen nur noch in weniger als der Hälfte aller Fälle in bar. Auch bei den Einkommensgruppen gibt es Unterschiede: Je höher das Einkommen, desto größer der Anteil der Kartenzahlungen.

88 % der an der Befragung der Bundesbank beteiligten Personen möchten weiterhin die Möglichkeit haben, in bar zu zahlen. Nur 2 % plädieren für eine völlige Abschaffung des Bargeldes. Als Argumente für die Beibehaltung des Bargeldes führten die Befragten an: In einer Welt ohne Bargeld würden sich ältere Personen nicht zurechtfinden. Bargeld ist wichtig, um Kinder an den Umgang mit Geld heranzuführen. Mit Bargeld hat man eine bessere Kontrolle über seine Geldausgaben als mit anderen Zahlungsformen. Mit Bar-geld können Zahlungen anonym vorgenommen werden.

42 % der befragten Personen erklärten, sie würden jetzt weniger Zahlungen in bar leisten als vor zehn Jahren. Als Gründe gaben sie überwiegend die gestiegene Akzeptanz von Kartenzahlungen in Geschäften und die Erkenntnis an, dass Kartenzahlungen inzwi-schen allgemein üblich seien.

Die Bundesbank hat sehr viele Aspekte des Zahlungsverhaltens der Bürger untersucht. Dabei hat sie unter anderem eine besonders bemerkenswerte Erkenntnis gewonnen: Frauen zahlen häufiger in bar als Männer, die ihrerseits die Kreditkarte doppelt so oft wie die Frauen einsetzen.

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