Klimaschutz in der internationalen Schifffahrt

Haren veranstaltete 19. Seeschifffahrtstag

Von Diplom-Ingenieur Peter Pospiech

Haren. Bereits zum 19. Mal hatten sich in der Schifferstadt Haren (Ems) etwa 100 Vertre-ter der maritimen Wirtschaft sowie Bundes- und Landespolitiker zum traditionellen See-schifffahrtstag getroffen. Die Veranstaltung stand in diesem Jahr unter dem Thema “Klimaschutz in der internationalen Schifffahrt – Wie können umweltfreundliche Schiffs-antriebe realisiert werden”

Die Interessengemeinschaft Harener Reeder (IHR) organisiert gemeinsam mit der Stadt Haren und dem Nautikklub Haren seit den 1980er-Jahren regelmäßig ein großes Branchen-treffen. Der gewählte Veranstaltungsort trägt dabei dem Umstand Rechnung, dass Haren mit 20 Reedereien, 200 Seeschiffen, 48 Binnenschiffen und zwei Werften der zweitwich-tigste Reedereistandort Deutschlands nach Hamburg und damit, wie Harens Bürgermeister Markus Honnigfort hervorhob, das „achtgrößte maritime Cluster“ weltweit ist. Er lenkte den Blick in seiner Begrüßung auf das Kernthema des Tages – die Umstellung der bisher mit klimaschädlichem und die Umwelt verschmutzendem Schweröl auf umweltfreundlichere Kraftstoffe.

Norbert Brackmann, seit dem Frühjahr Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, forderte die Branche zur Flucht nach vorn auf. Sie müsse „mit Innovation, Effizienz und Nachhaltigkeit vorangehen und Kosteneinsparpotenziale nutzen”. Branchenvertreter gaben sich eher zögerlich, wenn es um Investitionen in neue Technik und die Umrüstung von Schiffen auf emissionsärmere Kraftstoffe ging – etwa auf Motoren, die mit Methan (Erdgas) betrieben werden. Deutlich schärfere Abgasgesetzgebungen zwingen sie dazu, spätestens in zwei Jahren Abschied vom vergleichsweise preisgünstigen, aber emissionsreichen Schweröl zu nehmen. Die Zukunft der Reeder und der 6000 deutschen Angestellten auf hoher See sei der Regierung wichtig. Potenzial zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit sehe man in der Digitalisierung und Automatisierung. In diesen Bereichen werde man die Forschungsgelder erhöhen.

Gerd-Michael Würsig, Senior Principal Specialist DNV-GL, berichtete über den aktuellen Forschungsstand alternativer Kraftstoffe und die Verpflichtung der Schifffahrt, ihren Ausstoß klimarelevanter Treibhausgase bis 2050 zu halbieren.

Langfristig gehe es um eine Art Rückkehr zum „green shipping“, also einen möglichst klimaneutralen Transport wie einst mit Segelschiffen. Erreicht werden könne eine Halbierung der Klimagase, indem man die Hälfte des bisher zum Antrieb eingesetzten Schweröls durch klimaneutrale Kraftstoffe ersetze. Und den werde man aus Kohlendioxid (CO2) und Wasserstoff mithilfe von Strom erzeugen. Allerdings müsse der Strom regenerativ produziert werden. Auch könnte, laut Würsig, die Windantriebstechnik eine Wiedergeburt erfah-ren. Langfristig müsse das Ziel sein, Wasser mit Hilfe überschüssigen Windstroms aufzuspalten und daraus Gas für den Schiffsantrieb zu gewinnen.

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion wurden die Kosten für den Umstieg und das sogenannte Henne-Ei-Problem diskutiert. Denn derzeit fehlt für die Nutzung der Erdgas-Technik die Infrastruktur wie etwa Bunkermöglichkeiten. Diese werden aber mit Verweis auf fehlende Schiffe nicht gebaut.

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