Versicherung

Clevere Betriebsinhaber sorgen vor

Die Rente fällt bei Selbstständigen oft zu niedrig aus

Von Inge Meyer
Moormerland. Es kommt immer häufiger vor: Betriebsinhaber und Handwerksunternehmer erhalten nur eine geringe Rente, dies ist gerade bei Solo-Selbstständigen der Fall.

Dabei ist die Absicherung im Alter eine wichtige Aufgabe, gerade für Chefs im Handwerk. Zum einen gibt es die Rürup-Rente, die sich während der Selbstständigkeit als steuermindernd auswirkt. Zum anderen sprechen sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft immer mehr für eine Pflichtversicherung für alle Selbstständigen aus, um so Altersmut vorzubeugen.

Eine Studie des Instituts für Handwerk und Mittelstand an der Universität Göttingen zeigt deutlich, dass Selbstständige für ihre Rente zu wenig vorsorgen. Demnach erwarten mehr als 60 Prozent der Befragten eine gesetzliche Rente von 600 Euro oder sogar weniger. Nur jeder Achte rechnet mit mehr als 1.000 Euro Rente im Monat. An der Befragung hatten rund 1.500 selbstständige Handwerker teilgenommen.

Zwar wenden etwa drei Viertel der Befragten auch für eine private Altersvorsorge Geld auf – mit Beiträgen, die über denen zur gesetzlichen Rentenversicherung liegen. Doch insgesamt würden die Alterseinkünfte der Handwerker vor allem auf die gesetzlichen Rentenversicherungen obliegen. Insbesondere Solo-Selbstständige und Inhaber kleiner Betriebe, dies sind auch meist zulassungsfreie Gewerke, schauen bei den voraussichtlichen Altersbezügen „alt“ aus.

Handwerkerpflichtversicherung

Eine Ursache dafür sehen die Forscher in der Ausgestaltung der sogenannten Handwerkerpflichtversicherung. Mit der Beitragspflicht zur Rentenversicherung ließen sich deren ursprüngliche Ziele heute nicht mehr erreichen: So sei der Anteil der „besonders schutzbedürftigen“ Inhaber zwar in den letzten Jahren deutlich angestiegen, jedoch fallen immer weniger unter die Versicherungspflicht. Die betreffe die Solo-Selbstständigen genauso wie Gründer und Jungunternehmer, die eigentlich von Anfang an für das Altersruhegeld vorsorgen sollten.

Die Entwicklung sei eine Folge der Reform der Handwerksordnung 2004: Die Inhaber aus zulassungsfreien gestellten Gewerken fallen seitdem nicht mehr unter die Rentenversicherungspflicht. So unterlagen im Jahr 2003 noch etwa zwei Drittel der Inhaber von Handwerksbetrieben der Pflichtversicherung. 2016 lag dieser Anteil nur noch bei 44 Prozent. In der Folge sei die Zahl der Betriebsinhaber, die in die Pflichtversicherung einzahlen, deutlich gesunken – von mehr als 100.000 im Jahr 2000 auf etwa 57.500 im Jahr 2015.

Außerdem könne mit den 216 Pflichtbeitragsmonaten das Ziel einer ausreichenden Rente, wie es 1960 bei der Verabschiedung des Gesetzes erhofft wurde, nicht mehr realisiert werden. So erhalte ein Handwerker, der 18 Jahre lang den vollen Regelbeitrag gezahlt hat, eine Rente in Höhe von 540 Euro. Das reicht nicht aus.
Eine weitere Ursache liegt darin, dass zu wenige Selbstständige sich über die private Altersvorsorge informieren. Verglichen zur Pflichtversicherung hat der Gesetzgeber Anreize geschaffen, die eine private Altersvorsorge für Selbstständige interessant machen und die sich im Alter auszahlen.

Einerseits ist die Zahl der Rentenversicherung bei Handwerkern schon gesunken. Andererseits wirkt sich die „Nicht-Versicherung“ auch wettbewerbsverzerrend aus, denn der Handwerksunternehmer kann preiswerter anbieten, zahlt aber nicht in die Altersvorsorge ein. Aus der Studie geht auch hervor, dass sogar Scheinselbstständigkeit besser bekämpft werden würde, wenn es die Pflichtversicherung gäbe.

Den Betrieb richtig versichern

Rund um sicher in die Selbstständigkeit

Berlin. Zwar stehen dem Existenzgründer oder Freiberufler nach wie vor die gesetzlichen Versicherungen zur Verfügung, doch diese sichern den Versicherten nur im bescheidenen Umfang ab. Daher empfehlen sich private Versicherungen und entsprechende Zusatzversicherungen.

Existenzgründer wählen die Berufsunfähigkeitsversicherung oft als Zusatz für die Kapital-, Risikolebens- oder Rentenversicherung. Sie wird in der Regel gezahlt, wenn der Versicherte länger als sechs Monate durch Krankheit oder Unfall seinen Beruf nicht ausüben kann. Wer sich die Berufsunfähigkeitversicherung nicht leisten kann, sollte in jedem Fall eine private Unfallversicherung abschließen. Hier wird ausschließlich nach Unfällen gezahlt. Wer sich selbstständig macht, unterliegt auch der privaten Kranken- und Pflegeversicherung. Wichtig hierbei ist, dass die Beiträge risikogerecht und altersabhängig kalkuliert sind.

Oft ist der Versicherungsschutz gesetzlich oder von der Standesorganisation vorgeschrieben, so dass der Jungunternehmer oder Freiberufler sich von seinem Versicherungsagenten einen individuellen Versicherungsschutz maßschneidern lassen sollte, um nicht Gefahr zu laufen, sich über-, unter- oder gar falsch zu versichern.

Neben der notwendigen Haftpflichtversicherung schützt der Jungunternehmer seinen Betrieb in erster Linie durch Versicherungen im so genannten Sachbereich. Zu den wichtigsten Sachversicherungen zählen die Feuer-, Einbruchdiebstahl-, Leitungswasser – und Sturmversicherung. Jungunternehmer sollten prüfen, ob es gebündelte Versicherungen preisgünstiger gibt. Ist der Betrieb durch Feuer oder Sturm lahm gelegt, laufen Pacht, Löhne und Gehälter weiter. In diesem Fall kommt Hilfe von der Betriebsunterbrechungsversicherung, die für verschiedene Versicherungssummen abgeschlossen werden kann. „Wenn der Betrieb zum Beispiel durch Brand oder einen technischen Defekt zum Stillstand kommt, muss die Versicherungspflicht schnell und unbürokratisch greifen.“

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