Iro Rohrleitungsforum

Expertendialog zu Starkregen & WasserknappheitExpertendialog zu Starkregen & Wasserknappheit

33. Oldenburger Rohrleitungsforum erwartet über 3500 Gäste und rund 400 Aussteller

Von Katrin Zempel-Bley
Oldenburg. „Rohrleitungen – Transportmedium für Trinkwasser und Abwasser“ unter dieser Überschrift steht das 33. Oldenburger Rohrleitungsforum am 14. und 15. Februar. Es handelt sich um die größte Fachveranstaltung dieser Art im deutschsprachigen Raum. Das Institut für Rohrleitungsbau (iro) erwartet über 3500 Besucher und rund 400 Aussteller aus dem In- und Ausland mit ihren Neuheiten in Oldenburg.

„Starkregen wird im Zuge des Klimawandels immer häufiger zu erheblichen Sach- und Personenschäden führen. Netze und Infrastruktursysteme kommen an ihre Belastungsgrenzen“, sagt Prof. Thomas Wegener, Leiter des Instituts für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg. Zukunftsfähige Lösungen für den Umgang mit Starkregenereignissen und anderen Klimaphänomenen liefern die geladenen Experten auf der bekanntesten Fortbildungsveranstaltung der Branche.

Vertreter von Unternehmen, Stadtwerken, Verbänden und Kommunen nehmen daran teil, um sich über das brennende Thema auszutauschen. Denn extreme Regenfälle, die in kürzester Zeit komplette Straßenzüge unter Wasser setzen, sind mittlerweile bundesweit in Städten ein großes Problem. Durch die kurzfristige Überbelastung vorhandener Rohrleitungssysteme kam es auch in der Norddeutschen Tiefebene, also auch in Oldenburg und im Umland, zu einer Abwasserüberflutung der Vorgärten. Der Klimawandel, die Versiegelung der Böden und der Anstieg des Meeresspiegels verschärfen die Situation.

„Die eine technische Lösung gibt es
hierfür nicht. Vielmehr müssen spezielle Strategien und Methoden für den urbanen Raum entwickelt werden“, sagt Thomas Wegener. Eine komplexe Aufgabe, die, wie viele andere Herausforderungen unserer Zeit auch, durch Beteiligung und Dialog sämtlicher Akteure, wie zum Beispiel Entwässerungsbetrieben, Kommunen und Behörden, besser gelingen kann. Deshalb lädt das Oldenburger Rohrleitungsforum zum Expertenaustausch und Wissenstransfer in die Jadehochschule ein.

In zahlreichen Fachvorträgen und Diskussionsrunden rund um das Leitthema „Trinkwasser und Abwasser“ präsentieren Experten aus dem gesamten Bundesgebiet aktuelle Ergebnisse aus Forschung und Praxis. Um das Thema „Starkregen“ geht es unter anderem um ein Auskunfts- und Informationssystem, eine Starkregen-Gefahrenkarte und um den Aufbau eines Störungs-, Notfall- und Krisenmanagements. Fachvorträge über Innovationen aus Rohrleitungsbau und -sanierung ergänzen das vielfältige Vortragsprogramm. Parallel dazu präsentieren rund 400
Aussteller ihre neuesten Entwicklungen auf einer rund 4000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche.

„Was wird mit dem Wasser – gestern, heute und morgen“ lautet ein Vortrag. Erkenntnisse aus dem Jahrhundertsommer 2018 liefert Karsten Specht, Geschäftsführer des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes, (OOWV) und Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). Er referiert zum Thema „Wasserversorgung in Zeiten extremer Wetterereignisse“.

Das Jahr 2018 war für die Wasserwirtschaft eine besondere Herausforderung. Es wird als Spitzenjahr in die Geschichte eingehen. Bundesweit haben Wasserversorger ihre Kunden zu einem sparsamen Umgang mit unserem wichtigsten Lebensmittel aufgerufen, darunter auch der OOWV. Mehrere Wochen liefen die Wasserwerke ununterbrochen unter Volllast. In seinem Vortrag wird Karsten Specht darauf eingehen, was ein solcher Hitzesommer für die Aufbereitung, die Netzinfrastruktur und die Anlagen bedeutet.

„Der Sommer hat vielen Menschen die Grenzen der Wasserversorgung aufgezeigt. Allein der OOWV hat bis zum Jahresende 2018 rund vier Millionen Kubikmeter Trinkwasser mehr abgeben als in normalen Jahren“, sagt er auf Nachfrage. „Die Wasserversorger sind in der Lage, Spitzenverbräuche aufzufangen. Aber den technischen Möglichkeiten sind Grenzen gesetzt. Ein Rasensprenger verteilt in zwei Stunden rund 750 Liter Wasser. Die sechsfache Menge des Tagesbedarfs eines Menschen. Wenn es um Wasserknappheit geht, dann reden wir einerseits über die Leistungsfähigkeit von Netzen und Anlagen, andererseits spielt das individuelle Verbrauchsverhalten eine herausragende Rolle. Beides werden wir praxisnah im Rahmen des Rohrleitungsforums beleuchten“, kündigt er an.

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Im Mittelpunkt des 33. Oldenburger Rohrleitungsforums stehen Starkregen und Wasserknappheit. Foto: iro

Infos

Das iro wurde 1988 als An-
Institut der Fachhochschule Oldenburg gegründet. Dem gemeinnützigen Verein gehören Mitglieder aus Forschung, Industrie, Behörden, Fachverbänden und Privatpersonen an. Ziel des Instituts ist es, den Austausch von Wissenschaft und Wirtschaft, Theorie und Praxis zu fördern.

Verlängerung der Nutzungsdauer durch Rehabilitation von Druckrohrleitungen

Von Diplom-Volkswirt Horst Zech

Die Instandhaltung von Rohrleitungen der Versorgungsunternehmen wird maßgeblich in der Planungsphase festgelegt. Mit der Werkstoffauswahl werden der Betrieb und der damit verbundene Aufwand hierfür vorweggenommen. Auch kann der Aufwand für die spätere Rehabilitation eingeschränkt werden.

Des Weiteren stellt sich die Frage: Kann die Nutzungsdauer von Druckrohrleitungen durch Rehabilitation maßgeblich verlängert werden? Die in offener Bauweise verlegten Rohre werden mit einer Nutzungsdauer von 40 – 60 Jahren in der Kostenvergleichsrechnung (KVR-Leitlinie) angegeben. Für Betreiber, die ihr Netz für den wesentlich langfristigen Betrieb auslegen, ist diese Vorgabe zu konservativ. Sie arbeiten zum Teil mit längeren Nutzungsdauern, da sie aus eigener Erfahrung Rohre aus bestimmten Rohrmaterialien einschätzen können.

Es gibt keine konkreten Aussagen über die Verlängerung der Nutzungsdauer von Druckrohrleitungen durch Rehabilitationsverfahren. Vom Verfasser wurde deshalb eine kleine Umfrage (im Jahre 2017) bei Beteiligten (ausgesuchte Teilnehmer) solcher Baumaßnahmen gestartet. Insbesondere sind dies Fachleute von Betreibern von Druckrohrleitungen, Planern, ausführenden Firmen, Rohrherstellern, Sachverständigen, Prüflabore und Institute.

Rehabilitationsverfahren, die die Standsicherheit der Altrohrleitungen benötigen, sind einzuklebende Gewebeschläuche und die Zementmörtelauskleidung. Betrachtet man die genannte Nutzungsdauer beider Verfahren aus der kleinen Umfrage, so werden für das Gewebeschlauchverfahren 45 Jahre und für die ZM-Auskleidung 54 Jahre als Durchschnittswert genannt. Betrachtet man nun diese beiden Werte und setzt sie ins Verhältnis zum Neubau mit 40 – 60 Jahren (KVR), so ist kein großer Unterschied auszumachen.

Bei den weiteren Verfahren, insbesondere dem Einzugsverfahren (78 Jahre), Verformungsverfahren (71 Jahre), Reduktionsverfahren (68 Jahre) und Auswechselverfahren (85 Jahre) liegen die genannten Nutzungsdauern deutlich über dem des Neubaus (40 – 60 Jahre).

Beim Berstverfahren (68 Jahre), als Erneuerungsverfahren, liegt die durchschnittliche Nutzungsdauer ebenfalls über der klassischen offenen Bauweise

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