Interview

Der Wirtschaftsjournalismus lebt von Information, Transparenz und Glaubwürdigkeit

Interview mit Inge Meyer, Herausgeberin des Wirtschaftsechos

Von Désirée Warntjen

Moormerland.
Seit 20 Jahren widmet sich Inge Meyer, Herausgeberin des „Wirtschaftsechos“, dem Wirtschaftsjournalismus. Bereits während ihres Wirtschafts- und Tourismus-Studiums und dem Aufbaustudium in der Fachrichtung Kommunikation erhielt sie Einblicke in den Journalismus und setzte sich zum Ziel, ihr wirtschaftliches Wissen und ihre Begeisterung für mediales Schaffen miteinander zu verbinden. Vor 16 Jahren gründete die in Moormerland lebende Ostfriesin das „Wirtschaftsecho“. Zeit, in einem Interview einmal nachzufragen, wie es ist, seinen Traumberuf mit Leidenschaft und den täglichen Herausforderungen so konsequent zu leben.

Frau Meyer, Ihre berufliche Laufbahn startete mit dem Diplom-Studiengang Marketing und Tourismus. Wie ist es dazu gekommen, dass Sie den Weg in den Journalismus und speziell den Wirtschaftsjournalismus fanden?
Mein Fachhochschul-Studium in Wilhelmshaven schloss ich als Diplom-Kauffrau ab. Zu jenem Zeitpunkt stand für mich bereits fest, dass ich auch außerhalb eines Büros tätig sein und die vielfältige Wirtschaft unserer Region wortwörtlich vor Ort an der Basis erleben wollte.
Bereits während des Tourismus-Studiums konnte ich schon Erfahrungen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sammeln und das hat mir sehr gefallen. Als die Fachhochschule Osnabrück an ihrem Standort Lingen 1996 den neuen Studiengang Kommunikation einrichtete, entschloss ich mich zu einem Aufbaustudium, das ich 1998 als Diplom-Kommunikationswirtin abschloss.
Zu jenem Zeitpunkt war in Aurich gerade die neue Zeitung „Handelsforum“ gegründet worden. Die Verleger suchten für die Redaktion jemanden mit Kenntnissen in der Wirtschaft und ich suchte ein journalistisches Aufgabenfeld. So fügte sich eines zum anderen und vor genau 20 Jahren begann im Oktober 1998 damit meine vollberufliche Laufbahn als Wirtschaftsjournalistin und Redakteurin.

Wie erlebten Sie Ihr Aufbaustudium Kommunikation?
Ich bin noch heute sehr dankbar, dass sich die Möglichkeit dieses Studiums damals ergeben hat. Zu den Inhalten zählten die Techniken des journalistischen Handwerks – die journalistischen Darstellungsformen wie Reportage, Nachricht, Kommentar, Interview – und auch Fotografie sowie die praktische Umsetzung für Reportagen und Fotoreportagen. So habe ich im Rahmen des Studiums einen Behindertenfahrservice begleitet und meine erste Reportage wurde in einer Tageszeitung veröffentlicht. Die Recherche hat mir den Ruf der „rasende Reporterin“ eingebracht und der Artikel wurde in hohem Maße wahrgenommen und gelobt.

Für meine Diplom-Arbeit entschied ich mich für die Pressearbeit bei einer Non-Profit-Organisation und war ein halbes Jahr bei der Landesversicherungsanstalt in Laatzen tätig, die damals schon über eine eigene Presseabteilung verfügte. Neben der Öffentlichkeitsarbeit wirkte ich auch bei der Vorbereitung und Ausrichtung von Messen mit und lernte viele Instrumente dieser Arbeit kennen, die ich heute noch brauche, zum Beispiel bei der Pressearbeit für Messen und Ausstellungen, dem Erstellen von Flyern und dem Gestalten von Plakaten. Pro Jahr gehe ich auf bis zu sechs Messen, über die ich berichte. So besuche ich regelmäßig die Klassiker, Hannover-Messe und die WindEnergy, aber auch Gewerbeausstellungen in Wittmund, Aurich und Leer, sowie die Promotie Dagen bei den niederländischen Firmenkunden in Groningen. Das Kommunikationsstudium war für mich durch seine ausgewogenen theoretischen und praktischen Anteile ein hervorragendes Sprungbrett in den Wirtschaftsjournalismus.

Worin besteht für Sie auch nach 20 Jahren noch der besondere Reiz des Wirtschaftsjournalismus?
Der liegt in der Komplexität meiner Aufgaben begründet. Natürlich gibt es die fachliche Routine, aber es ergeben sich immer neue Situationen im Zusammenhang mit neuen Themen, mit den stetigen Entwicklungen und mit den äußerst vielseitigen Ausrichtungen der Unternehmenslandschaft im Verbreitungsgebiet des „Wirtschaftsechos“ von Ostfriesland, dem Ammerland, Friesland und Wilhelmshaven bis ins Emsland. Da bin ich sprichwörtlich am Puls der Zeit und am Puls der Wirtschaft. Mit meiner eigenen Zeitung Wirtschaftsecho habe ich zudem ein perfektes Medium, um die Informationen und Fakten an die Leserinnen und Leser weiterzureichen.

Gab es besondere Erlebnisse, an die Sie sich gerne erinnern?
Ja, zahlreiche. Alle zu nennen würde jetzt den Rahmen sprengen. Zu den besonderen Erlebnissen gehört für mich zum Beispiel das Interview mit dem gut aussehenden Schauspieler Hardy Krüger jr., auf den ich mich mit ganz anderen Fragen vorbereitete, als denen, die ich sonst so in der Wirtschaftsbranche stelle, also Fragen zum Umsatz, Produktneuheiten, Innovationen, zum Personal, zur Technik und vieles mehr. Letztlich ist aber die Kultur auch ein wichtiger Faktor, der Einfluss auf die Wirtschaft und den Tourismus hat.

Und dann war da auch ein schönes persönliches Erlebnis, als ich vor vielen Jahren die Firma Gamma Reifen aus Friesoythe bei einer Messe in einer Halle am Flughafen Hannover begleitete. Als ich wieder nach Hause kam, erwartete mich ein riesiger Blumenstrauß und noch heute denke ich gerne an den blumigen Abschluss eines tollen Messeerlebnisses. Zu dem Zeitpunkt gab es fast gegenüber meinem Büro noch ein Blumenhaus, die einen Fleurop-Service anboten.
Eine Veranstaltung brachte mich sogar ins All, wenn auch nur mental: Gemeinsam mit Jesco von Puttkamer, besichtigte ich das Astrium und das ISS-Modul in Bremen und anschließend referierte der Raumfahrtingenieur über Mars-Missionen. Das waren wortwörtlich Sternstunden. Auch der Vortrag von dem ammerländer Astronauten Thomas Reiter, der auf Einladung einer FSO-Firmenkundenveranstaltung kam, war hoch interessiert. Dann war da noch der Vortrag von dem Fernsehjournalisten Dr. jur. Claus Kleber im Vila Vita Hotel letztes Jahr, der uns erst einmal erklärt hat, wie die Uhr der Weltwirtschaft tickt und das die Chinesen alles aufkaufen und sich überall breit machen. Ich lebe zwar in einem Dorf, aber als Feldmaus lebe ich ja nicht auf dem Mond. Wirtschaft ist spannend…

Was hat sich im Laufe von 20 Jahren verändert?
Da wären insbesondere die Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich gebracht hat. Als gebürtige Off-Linerin, da ich ja nicht mit Internet groß geworden bin, bin ich in diesem Fach nicht so up-to-date.
Für meine eigene Zeitung, bei der ich nach wie vor und mit großer Überzeugung am Printmedium festhalte, nutze ich von der Recherche bis zum Druck viele digitale Möglichkeiten. Das gleiche gilt für die Unternehmen: Sei es bei der Digitalisierung von Produktionsprozessen und Logistik oder auch bei der Internetpräsenz. Dies wird auch in der Pressearbeit spürbar. Vor 20 Jahren war es in vielen Firmen und Betrieben noch Gang und Gäbe, dass sich ein Mitarbeiter, mal eben so nebenbei um ein bisschen Öffentlichkeitsarbeit kümmerte und allenfalls der Unternehmer zu einem Pressegespräch einlud. Heute wissen die Unternehmen und Institutionen, welch eine wichtige Rolle die kontinuierliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für das Image der Firma spielt und setzen darauf, sie so professionell wie möglich zu gestalten.

Viele haben inzwischen sogar verstanden, wie wichtig Transparenz, Offenlegung, Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit sind und wie sehr sie zum positiven Image eines Unternehmens in der Gesellschaft beitragen. Diese Werte sind auch maßgeblich für qualitativen Wirtschaftsjournalismus, von dem sowohl die Leser als auch die Unternehmen und die Anzeigenkunden profitieren, wenn sie ein seröses Medium für die eigene Information sowie für ihr Marketing nutzen. Dass Schönrederei und Gefälligkeitsberichte sich eher negativ auswirken können, ist inzwischen vielen bewusst.
Von Veränderungen sind auch das produzierende Gewerbe, das Handwerk, das Banken- und das Versicherungswesen geprägt. Hier hat sich viel getan. Und im Tourismus hat sich ebenfalls vieles verändert. Das „Wirtschaftsecho“ berichtet regelmäßig auch über die Ostfriesischen Inseln, insbesondere Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog und Spiekeroog sowie über den Tourismus an der Festlandsküste und den Binnentourismus. Touristische Einrichtungen, Gastronomie, Hotellerie und Anbieter des Fremdenverkehrsbereichs müssen immer neue touristische Highlights bieten und ihre Angebote stets auf die sich verändernden Ansprüche ihrer Zielgruppen anpassen. Diese Entwicklungen begleite ich nun schon seit 20 Jahren und erlebe, mit welchem Engagement und mit welchen Ideen – wenn auch manchmal etwas schräg – man sich in der Tourismusbranche mit den höheren Ansprüchen auseinandersetzt.

Wie finden Sie Ihre Themen?
Viele Unternehmen melden sich beim „Wirtschaftsecho“ und informieren mich über neue Entwicklungen, Umstrukturierungen, Innovationen, und auch über Neugründungen, Nachfolge, Verkauf, Neueröffnungen und Jubiläen. Hinzu kommt die übergeordneten Themen wie neue Rechtslagen, neue Gesetze und aktuelle politische und wirtschaftliche Ereignisse, die sich auf die Wirtschaft in der Region auswirken. Hier ist das „Wirtschaftsecho“ an der Basis und kann Auswirkungen direkt mit verfolgen und die niedergelassenen Unternehmen ansprechen. Von dem Gesetz der Scheinselbstständigkeit, welches zu Beginn meiner Tätigkeit herauskam, bis zum Mindestlohn-Gesetz, gibt es laufend neue Gesetze, die Firmen betreffen.

Außerdem sind da die sich wiederholenden Themen aus dem Gebiet Wirtschaft, Recht, Steuern, Personal, Marketing, Finanzen. Von A wie Arbeitsschutz bis Z wie Zeitarbeit berichten wir über alles, was Firmenkunden betrifft und interessiert.
Jede Ausgabe ist darüber hinaus einem Schwerpunktthema gewidmet; diese werden bereits ein Jahr im voraus geplant. Langweilig wird es nie: Es gibt immer neue Termine mit neuen Themen, mit langjährigen Kunden und mit neuen Menschen.

Welche Herausforderungen sehen Sie für sich und das „Wirtschaftsecho“ in den nächsten Jahren?
Der Wind weht rauer für den Journalismus, auch bedingt durch die digitalen Verbesserungen. Positiv sind die vielfältigen Möglichkeiten der Darstellung, die sich erschließen. Doch es gibt auch die Schattenseiten: Vor allem in den sozialen Medien wird nicht selten Unrichtiges, sogenannte Fake-News, berichtet und es gilt zu trennen zwischen der Qualität seriöser Medien und beifallherrschenden Beiträgen selbsternannter Propheten. Print-Medien sind wichtiger denn je geworden für den Erhalt höchstmöglicher Objektivität, um zur umfassenden Information und Meinungsbildung in der Gesellschaft beizutragen.

Das „Wirtschaftsecho“ ist ein Printmedium und wird es ganz bewusst auch in Zeiten zunehmender digitaler Prozesse bleiben. Printmedien wirken auf die Sinne, denn man kann sie anfassend, sie durchblättern. Sie sind präsent, ohne einen Monitor oder ein Display einzuschalten. Das Lesen im Internet kann nebenbei laufen, aber beim Lesen eines Druckerzeugnisses ist man konzentrierter bei der Sache. Wenn der PC heruntergefahren und das Handy ausgeschaltet sind, ist die Zeitung noch da. Deshalb ist es meine persönliche Herausforderung, die Leser und Kunden von der Haptik des Printmediums und sogar auch der Sinnlichkeit des Zeitungslesens ebenso zu überzeugen wie vom journalistischen Anspruch an glaubhafte, qualitative Information und die möglichst transparente Darstellung der regionalen Wirtschaft.

Wirtschaftsecho - Inge Meyer e.K. - Quade-Foelke-Straße 6 - 26802 Moormerland
Tel.: 04954 - 8936-0 Fax: 04954 - 8936-29