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„Unsere Arbeit ist Chefsache“„Unsere Arbeit ist Chefsache“

Interview mit der Herausgeberin des Wirtschaftsechos, Inge Meyer

Von Dieter Nannen

Moormerland-Warsingsfehn. Am 4. Dezember 2002 machte sich die Diplom-Kauffrau (FH) und Diplom-Kommunikationswirtin (FH) Inge Meyer nach rund vierjähriger Berufserfahrung mit der Zeitung „Wirtschaftsecho Inge Meyer e.K.“ selbstständig. In dem folgenden Interview gibt sie einen Einblick in ihren Verlag.

1. Sie haben sich vor 15 Jahren entschlossen, eine Wirtschaftszeitung herauszugeben. Was hat Sie dazu veranlasst?

Von 1998 bis 2002 war ich als Journalistin bei einer regionalen Wirtschaftszeitung tätig und konnte dort ziemlich selbstständig arbeiten. Dann hat sich die Geschäftsleitung der Zeitung neu aufgestellt, so dass ich mich entschlossen habe, mich mit einem eigenen Verlag selbstständig zu machen. Erst war die Idee recht fremd, weil in meiner Familie und im Bekanntenkreis niemand selbstständig war. In erster Linie denkt man immer, selbstständig sein ist so eine Sache mit Vor- und Nachteilen. Unser Hausanwalt meinte damals aber, ich sollte es doch einmal probieren. Dann habe ich mir das überlegt und mich zunächst bei den Firmenkunden vorgestellt, die ich ohnehin schon kannte. Die erste Ausgabe erschien dann im Januar 2003.

2. Welche Zielgruppen sprechen Sie mit Ihrer Zeitung an?

In erster Linie werden Firmenkunden angesprochen. Anfangs erhielten rund 8.500 Firmenkunden in Ostfriesland das Wirtschaftsecho per Post. Zwei Jahre später kam das Emsland hinzu. Außer Firmenkunden, die also nur Firmen als Kunden haben (b2b), hält das Team aus rund zehn freien Journalistinnen und Journalisten regelmäßigen Kontakt zu Pressesprechern bei Kammern, Verbänden und Institutionen, weil dort auch die Ansprechpartner sitzen, die speziell die Wirtschaftskommunikation managen.

3. Seit 15 Jahren gibt es Ihre Zeitung. Was hat sich in dieser Zeit auf dem Zeitungsmarkt verändert?

Als ich im Dezember 2002 angefangen bin, kam die neue Medien-Welle gerade auf, in die manche Zeitungsverlage viel Geld investiert haben. Unter anderen das `Manager-Magazin` und der `Spiegel` gingen online. Da war die Zeitung eigentlich schon fast totgesagt. Das traf aber nicht zu. Im Gegenteil: Die meisten Leute haben nach wie vor ihr gedrucktes Medium noch gelesen.
In den letzten fünf, sechs, sieben Jahren nimmt der Internetauftritt der Verlage spürbar an Bedeutung zu. Das gilt sowohl in der Informationsbeschaffung, um sich grob zu informieren, als auch für Recherche und Kommunikation gerade in den sozialen Medien mit den ganzen Suchmaschinen inklusive. Zwar werden tiefergründige Berichte, zum Beispiel Firmenporträit, Leitartikel, Kommentare und Interviews immer noch gerne per Printmedium gelesen, aber Internet, iPad & Co. greifen die traditionelle Lesart doch sehr an.

Dass sich Printmedien auf dieses veränderte Leseverhalten konzentrieren müssen, ist nicht von der Hand zu weisen. Meiner Meinung nach informiert die gedruckte Zeitung breiter und auch mehr im Detail. Das liegt auch daran, dass bei den gedruckten Zeitungen immer noch Redakteure und Journalisten arbeiten, die eine entsprechende Ausbildung oder ein Studium im Bereich Journalismus gemacht haben. Das ist bei den Online-Medien heute nicht mehr gegeben. Etwas flapsig: In der digitalen Medienwelt kann sich jeder Tellerwäscher, jeder Polizist und jede Hausfrau `Online-Redakteur` nennen. Natürlich führt dies zu einer Verwässerung der fachlichen Qualität, die nicht vergleichbar ist mit einer gedruckten Zeitung. Überall, wo ich hinkomme oder wo ich vorher anrufe, heißt es jedoch deutlich: Das ist Chefsache, da stelle ich Sie zum Chef durch und der Chef macht auch die Jubiläumsansprache und den Betriebsrundgang. Insofern ist meine Arbeit Chefsache.

4. Bedienen Sie sich bei der Gestaltung der Zeitung auch mit Beiträgen von Nachrichtenagenturen?

Bei uns ist der Anteil am Terminjournalismus sehr hoch, weil wir im Team alles selber recherchieren und selber anfertigen. Insofern gibt es keinen Mantelanteil von einer Agentur – dpa oder anderen – und das ist natürlich auch viel aufwendiger. Von der Themenfindung bis zur Festlegung der Sonderseiten und Anfertigung der unterschiedlichen Berichte muss alles selbst erarbeitet werden.

5. Auch Zeitungen leben von Veränderungen. Planen Sie Veränderungen bei der Gestaltung Ihrer Zeitung?

Ja, kleine Veränderungen sind geplant. Beim Internetauftritt ist in den vergangenen Jahren schon etwas gemacht worden. Wir haben das e-paper eingeführt, was auch gern gelesen wird. Nun wird es nach 15 Jahren Zeit, an der Gestaltung und an den Rubriken zu feilen. Auch die Erscheinungsweise wird sich im Jahr 2018 ändern. Die Zeitung Wirtschaftsecho wird zukünftig außerhalb der Ferienzeit und Feiertage erscheinen. Dazu möchte ich aber im Moment noch nicht so viel sagen.

6. Erhalten Sie aus dem Kreis Ihrer Leser Rückmeldungen?

Ja, sowohl ich als auch die Gruppe freier Mitarbeiter von Bunde über die Inseln nach Friesland, Oldenburg und bis ins Emsland erhalten Rückmeldungen. Zum einen, wenn jemand eine Sonderseite für ein Jubiläum oder eine Geschäftseröffnung platziert, werden in der Regel immer mehr gedruckte Exemplare angefordert, um diese zum Beispiel im Vorzimmer, in der Wartehalle oder im Besprechungszimmer auszulegen. Und seit etwa fünf Jahren ist es der Fall, dass immer für den jeweiligen Internet-Auftritt der Firma auch die PDF-Dateien angefordert werden. Die Firmenkunden fügen die Dateien zunehmend in ihren Internet-Auftritt ein, um diesen Artikel nochmal anderen Nutzern zu zeigen oder zu präsentieren.

Zum anderen gibt es laufende Empfehlungen von Anwälten, Steuerberatern oder Unternehmensberatern, die auch wiederrum Firmenkunden betreuen. Auch die Themen Gründung und Nachfolge werden uns nahe gelegt. In der Oktober habe ich über einen Existenzgründer und Einzelkämpfer berichtet, der weitere Gründer und Jungunternehmer nach sich zieht, weil er zufrieden ist.

Auch das Thema Unternehmensnachfolge, ein ganz schwieriges Pflaster, kommt vor, denn flapsig gesagt: Klappern gehört zum Handwerk und wenn keine Person weiß, dass ich einen Nachfolger suche, kann sich auch nicht viel tun.

7. Eine letzte Frage: Stehen die Themen für das nächste Jahr schon fest?

Ja, die Themen stehen schon fest. Die Sonderseiten und Hauptthemen sind zum einen wieder Dauerbrenner, wie zum Beispiel Steuerveränderungen, Arbeitsrecht, Schiffsüberführungen der Meyer-Werft, Fachkräftemangel, gewerblicher Bau, Nachfolge sowie Digitalisierung und viele andere Specials. Dazu kommt die Berichterstattung von den Nordseeinseln Borkum bis Wangerooge. Ebenfalls gibt es viele aktuelle Berichterstattungen im nächsten Jahr: Die Ostfrieslandschau 2018 findet wieder statt, die Rhodo 2018 und die MKW-Gewerbeschau wurden bereits schon im Frühjahr an mich herangetragen.

Wirtschaftsecho - Inge Meyer e.K. - Quade-Foelke-Straße 6 - 26802 Moormerland
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