Kommentar

Bald gibt es neues Geld!

Von Dieter Nannen

So kannten wir die Europäische Zentralbank bisher nicht: Weit im Voraus und äußerst präzise kündigt sie ihre Absichten an und nimmt Rücksicht auf die Gewohnheiten der Bürger. Sie wehrt sich geschickt gegen Versuche von unbefugten Kreisen, den Geldum-lauf zu erhöhen und damit den stabilitätsorientierten Kurs der Zentralbank zu unterlau-fen. Dennoch gelingt es ihr, den Medien einen Spielraum für Spekulationen über even-tuell langfristig geplante Änderungen zu belassen.

Nein, von der Zins- und Geldpolitik der Zentralbank ist nicht die Rede, denn darauf tref-fen die meisten Aussagen nicht zu. Es geht um einen völlig anderen Zuständigkeitsbe-reich der Zentralbank. Nachdem sie bereits seit Mai 2013 den Fünf-Euro-Schein, seit September 2014 den Zehner und seit November 2015 den Zwanzig-Euro-Schein und schließlich seit April vorigen Jahren den Fünfziger in modernisierter Form herausgibt, wird sie ab dem 28. Mai 2019 neue 100- und 200-Euro-Scheine in Umlauf bringen.

Diese kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellten neuen Scheine weisen weitere Siche-rungsmerkmale auf. Die auf der Vorderseite des Scheines aufgedruckte Zahl 100 oder 200 ändert ihre Farbe von smaragdgrün zu tiefblau, wenn der Geldschein bewegt wird. Neu ist auch, dass in die Zahl jeweils kleine Euro-Zeichen eingestellt sind. Durch diese weiteren Sicherungsmerkmale soll den Geldfälschern die Nachahmung erschwert wer-den. Das ist auch notwendig, denn im ersten Halbjahr 2018 zogen die Polizei, die Ein-zelhandelsbetriebe und die Banken in Europa über 300.000 gefälschte Banknoten aus dem Verkehr. Das sind zwar 17,1 % weniger als im zweiten Halbjahr 2017, aber immer noch viel zu viel.

Mit der Gestaltung der neuen Geldscheine demonstriert die EZB, dass sie entgegen ei-nem allgemeinen Vorurteil bereit und in der Lage ist, äußerst flexibel auf neue Moden zu reagieren. Bisher galt der Grundsatz, dass die Geldscheine umso höher und breiter sind, je höher ihr Wert ist. Das wird sich zum Teil ändern. Die neuen Scheine werden die glei-che Höhe wie der Fünfziger haben. Durch diese Anpassung an die Größe moderner Portemonnaies wird verhindert, dass die Geldscheine aus der Geldbörse herausragen. Damit leistet die Zentralbank einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Diskretion beim Umgang mit Bargeld.

Eine kleine Ungewissheit bleibt. Einen neuen 500-Euro-Schein wird es nicht geben. Auch der alte wird schon nicht mehr gedruckt. Ist das ein Hinweis auf die Absicht, diesen Schein abzuschaffen?

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