KommentarKommentar

Milde für Stolberg?

Von Thomas Klaus

Wer den Prozess gegen den Bremer Reeder Niels Stolberg am Landgericht der Hansestadt verfolgt hat, sah einen gebrochenen Mann – um Jahre gealtert, gezeichnet auch durch die Anfang des Jahres diagnostizierte schwere Krebserkrankung.

Man sah einen Angeklagten, der bereits fast alles verloren hat – ebenfalls seine öffentliche Reputation. Einst wurde der gebürtige Braker als Vorzeige-Unternehmer gefeiert, mit Fähnchen im “Gallimarktszelt” in Leer empfangen und sogar mit Preisen und sonstigen Auszeichnungen überhäuft. “Bremer Unternehmer des Jahres“ war er – “Entrepreneur des Jahres” – 2008 sogar “Mutmacher der Nation”.

Der SV Werder Bremen hote ihn in denAufsichtsrat – fast ein so wichtiger „Ritterschlag“ wie die Berufung zum Schaffer bei der altehrwürdigen Schaffermahlzeit. Niels Stolberg ist nur die Erinnerung an solche und weitere Anerkennungen geblieben – Anerkennungen, die er sich durch sein breit gefächertes und intensives soziales Engagement durchaus verdient hat. Unter anderem finanzierte er ein Hilfsprojekt für jugendliche Tsunami-Opfer in Thailand, unterstützte Einrichtungen für Behinderte in Bremen, förderte Kunst und Kultur auf Spiekeroog, war Geburtshelfer für das Marine Kompetenzzentrum in Elsfleth und manches mehr.

Sicherlich tat er das nicht zuletzt, um seinem Ego zu schmeicheln. Aber Hand aufs Herz: Ist das nicht im Zusammenhang mit sozialem Engagement eine nicht gerade ungewöhnliche menschliche Regung?

Im Vorfeld wurde in Wirtschaftskreisen und in Medien darüber spekuliert, ob die sozialen Projekte nicht in Wirklichkeit die Stolberg-Taschen füllen sollten. Diese Darstellungen haben sich im Prozess nicht bestätigt. Die von Niels Stolberg begangenen Straftaten dienten nicht dem Ziel einer persönlichen Bereicherung, sondern sollten die Reederei und ein Lebenswerk retten – ein großer Unterschied zu vielen anderen Wirtschafts-Prozessen in Deutschland.
In einer so genannten Vorentscheidung im Juli hat das Bremer Landgericht keinen Zweifel daran gelassen, dass es den 56-Jährigen im Gefängnis sehen will. Demnach soll der Strafrahmen zwischen drei Jahren und sechs Monaten und drei Jahren und neun Monaten Haft liegen – ohne Bewährung. Es wäre ein hartes, sehr hartes Urteil.

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