KommentarKommentar

Die Rolle der Frau in der Gesellschaft und im Berufsleben

Die Rolle der Frau in der Gesellschaft und im Berufsleben hat sich, im langfristigen Zeitvergleich betrachtet, erheblich verändert. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts waren die Rechte und Aufgaben von Männern und Frauen völlig unterschiedlich. Frauen dürfen erst seit 1918 an Wahlen teilnehmen. Sie waren in erster Linie für den Haushalt und die Erziehung der Kinder zuständig. Auf dem Lande hatten sie zusätzlich zum Teil körperlich schwere Arbeiten in der Landwirtschaft zu leisten. Eine Berufsausbildung, zumal für qualifizierte Tätigkeiten, erhielten sie nur in Aus-nahmefällen. Die meisten Frauen konnten ihre Lebensumstände kaum selbst ge-stalten, weil sie von ihren Ehemännern wirtschaftlich abhängig waren. Sie waren entsprechend einem oft zitierten Bibelwort dem Manne untertan.

Inzwischen hat sich die Lage völlig verändert. Das ist in erster Linie auf den Trend zu einer liberalen Ideologie in der Gesellschaft und das gestiegene Selbstbewusst-sein der Frauen zurückzuführen. Die gesetzlichen Vorschriften sind dieser Entwick-lung angepasst worden. Nach dem Grundgesetz sind Männer und Frauen gleichbe-rechtigt. In § 3 heißt es zusätzlich: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung … und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Im Berufsleben ist die völlige Gleichstellung noch nicht erreicht. In leitenden Positi-onen ist der Anteil der Frauen sehr gering. Das bedeutet keineswegs, dass ihre Fä-higkeiten geringer sind als die der Männer. Die Ursache ist vielmehr nach wie vor eine auf Traditionen zurückzuführende Aufgabenteilung. Frauen sind nach der Gründung einer Familie üblicherweise stärker in häusliche Arbeiten eingebunden als ihre Männer. Gerade in dieser für die berufliche Entwicklung sehr wichtigen Le-bensphase ist die Möglichkeit vieler Frauen eingeschränkt, sich in zeitraubender Weise intensiv um einen beruflichen Aufstieg zu bemühen.

Dennoch haben sich die Möglichkeiten der Frauen für eine berufliche Tätigkeit deutlich verbessert. Viele Unternehmen bieten den Frauen eine familienorientierte Teilzeitarbeit und eine flexible Gestaltung der Arbeitszeiten. Auch die Erhöhung der Zahl der Plätze in Kindergärten und –krippen ermöglicht den Frauen eine berufli-che Tätigkeit.

Die Positionen von Frauen und Männern im Berufsleben haben sich angenähert. Der Weg zu einer völligen Gleichstellung ist aber noch weit. Fraglich ist ohnehin, ob jede Frau diesen Weg gehen möchte.

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