Sonderseite Norderney

Wo Prinzen und Könige zur „Sommerfrische“ hinfuhren

Interview mit dem Bürgermeister der Stadt Norderney, Frank Ulrichs

Von Inge Meyer

Norderney. Norderney wird auch als das „Sylt“ Ostfrieslands bezeichnet und sowohl Stammgäste als auch Neukunden schätzen die Nordseeinsel sehr. Dabei war das Geschrei groß, als sich das Land Niedersachsen im Jahr 2003 für den Ausstieg aus dem Staatsbad entschied.
Im folgenden Interview gibt der Bürgermeister der Stadt Norderney, Frank Ulrichs, einen Einblick zum 222-jährigen Jubiläum in diesem Jahr und vieles mehr.

Sie sind schon seit 17 Jahren kein Staatsbad mehr. Doch nach dem Ausstieg des Landes Niedersachsen riss der Höhenflug nicht ab. Wie erklären Sie sich das?

Im Zuge der Kommunalisierung zum 1. Januar 2003 hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Nach über 200 Jahren hatten wir plötzlich selber das Heft des Han-delns in der Hand und mussten uns genau überlegen, wie wir die Zukunft gestalten wollen, um langfristig überlebensfähig und wirtschaftlich unabhängig zu bleiben. Norderney ist seit 1797 Staatsbad; auf dieser Tradition aufbauend hat man sich konzeptionell völlig neu aufgestellt und sich auf seine Kernkompetenzen speziali-siert, wie zum Beispiel auf die guten heilklimatischen Wirkungen unseres Klimas.
Fest stand, auch für meine Vorgänger, dass kein Tafelsilber, also Liegenschaften und alle für den Tourismus wichtigen Einrichtungen, verkauft werden sollten. Alle öffentlichen Einrichtungen des Staatsbades sind bis heute modernisiert und in-standgesetzt worden. In diesem langjährigen Prozess hat uns das Land Nieder-sachsen unterstützt. Von Verlustträgern, wie zum Beispiel dem Freibad, haben wir uns getrennt. Viele wichtige Projekte und Maßnahmen sind auf den Weg gebracht worden, wie der Neubau des Badehauses, die Sanierung sämtlicher Strandgastro-nomien oder der Umzug des Rathauses im Jahr 2005 hier an den Kurplatz; letztlich haben wir uns touristisch völlig neu aufgestellt und haben damit hier an der Küste auch eine Vorreiterrolle übernommen.
Nachdem das Land Niedersachsen für unser Staatsbad jahrelang rote Zahlen in Millionenhöhe geschrieben hatte, ist es uns mit großer Tatkraft und mutigen Ent-scheidungen, die anfänglich nicht immer unumstritten waren, in wenigen Jahren gelungen, das Staatsbad wirtschaftlich auf neue Beine zu stellen und die jährlichen Übernachtungszahlen um 200.000 zu steigern.

Nun steht das 222-jährige Jubiläum vor der Inseltür. Wann eröffnen Sie das Jubiläumsjahr offiziell?

Die 222 als Schnapszahl wurde sehr bewusst für das Jubiläum gewählt. Beim Staatsbad haben sich viele Köpfe frühzeitig mit dem Programm und der Ausgestal-tung des Jubiläums befasst. So wird es viele kleine Veranstaltungen, Events und themenbezogene Aktionen geben, die sich wie ein roter Faden durch dieses Jahr ziehen werden. Die offizielle Feier ist für den Spätsommer geplant.

Zu den Sahnestücken im Kurplatz gehört das Conversationshaus, das erst vor 11 Jahren von innen erneuert wurde. Jetzt machen Sie die Fassade flott – ist das extra zum 222-jährigen Jubiläum?

Der ursprüngliche Bau des Conversationshauses liegt um 1820 und sowohl Prin-zen als auch Könige haben dort residiert. So hatte König Georg V. von Hannover das Gebäude ab 1851 für viele Jahre als seine Sommerresidenz gewählt. Das Haus hat also eine herausragende historische Bedeutung und verfügt baulich über zwei große Säle, eine Bibliothek, eine große Lobby, das Kurpalais, die Touristinformation, Zimmervermittlung und vieles mehr. Das Conversationshaus ist seit der Kernsanie-rung im Jahre 2008 der Anlaufpunkt für unsere Gäste. Die Fassadenrenovierung war dringend notwendig und passt natürlich recht gut ins Jubiläumsjahr.

Derzeit reißen Sie das alte Kurmittelhaus ab. Was ist dort ge-plant?

Der Bau eines 5-Sterne-Hotels begleitet mich seit dem ersten Arbeitstag als Bürger-meister im Jahre 2011. Im Herbst des letzten Jahres ist der Beschluss gefasst wor-den, nun endlich das alte Kurmittelhaus abzubrechen. Mit dem Abbruch startete die Arbeitsgemeinschaft Kröger/Onnen zum Jahresbeginn. Aktuell bereiten wir eine neue Ausschreibung vor. Auf dem Grundstück soll gemäß der politischen Vorgaben nach wie vor ein hochwertiges Hotel mit Leuchtturmcharakter entstehen. Natürlich sollte sich ein neues Hotel in das denkmalgeschützte Kurplatzensemble einfügen. Nach vielen unerwarteten Rückschlägen hoffe ich, dass der neuerliche Versuch nunmehr zum Erfolg führt.

Einige Privatinvestoren haben in den letzten Jahren neue Hotels gebaut. Allein in diesem Jahr werden drei neue Hotels eröffnet und ein weiteres befindet sich im Bau.
Ist die Fahnenstange mit der Bettenkapazität irgendwann erreicht?

Mit der seinerzeitigen Ankündigung im Jahre 2003, ein Fünf-Sterne-Hotel auf Nor-derney bauen zu wollen, ist auch im privatwirtschaftlichen Bereich etwas ausgelöst worden. Viele Hoteliers und Bettenanbieter haben ihrerseits investiert und moderni-siert. Diese Entwicklung hält im Grunde bis heute an, so wie aktuell in der Kaiser-straße, wo derzeit ein neues Hotel als Ersatzbau errichtet wird. Tatsächlich herrscht im Hotelsegment immer noch ein leichter Nachfrageüberhang. Natürlich muss die Gesamtentwicklung im Auge behalten werden, wobei Hotels zunächst einmal neue Arbeitsplätze, Belebung der Wirtschaft und Steuereinnahme für die Kommune zur Folge haben.
Nicht unproblematisch ist der seit Jahren durch Investoren vom Festland ausgelöste Bettenzuwachs, durch den sich spekulative Kapitalanleger eine schnelle Rendite erhoffen. Bis auf den örtlichen Konsum hat die Insel nicht viel davon; es werden vielmehr Dauerwohnkapazitäten verdrängt und weder für die Kommune noch für die Allgemeinheit fällt nennenswert etwas ab. Zurzeit verfügt Norderney über ge-schätzte 26.000 Gästebetten; damit ist so langsam aber sicher eine Obergrenze er-reicht.

Auf der anderen Seite gibt es –ähnlich wie auf den anderen Inseln – zu wenig Wohnraum für die Beschäftigten.
Haben Sie hier seitens der Stadt neuen Wohnraum geschaffen?

Die Stadt Norderney verfügt über rund 730 Dauerwohnungen, die von der stadtei-genen Wohnungsgesellschaft verwaltet werden. Erst im letzten Jahr haben wir ein neues Mietwohnhaus An der Mühle fertiggestellt. Dort sind 16 neue Wohneinheiten entstanden. Weitere Projekte folgen in Kürze. Fest steht, dass das Thema Dauer-wohnraum für unsere rund 6.400 Einwohner auf der Insel eine sehr hohe Priorität genießt.

Letzte Frage: Genau zu diesem Thema hat das Land Niedersachsen ein neues Gesetz erlassen. Wird dieses Gesetz auf Norderney greifen?

Mit dem neuen Zweckentfremdungsgesetz wird die Gemeinde in die Lage versetzt, selber Dauerwohnraum für Einheimische zu erhalten. Nachteilig ist jedoch, dass der Gesetzgeber nicht zwischen Dauerwohnraum und Zweitwohnung unterschei-det. Insofern ist das neue Gesetz nach meiner Einschätzung ein zahnloser Tiger und hilft uns nur bedingt weiter.

Strand-Gut? Plastikmüll am Meer

Dr. Valeria Bers eröffnete die neue Ausstellung im „Watt Welten“

Norderney- Mit der Fotoausstellung „Strand – Gut?“ des Fotografen Michael Funcke-Bartz informieren die Watt Welten noch bis Ende Juni 2019 über die Auswirkungen der dramatisch gestiegenen Mengen von Plastikmüll in unseren Weltmeeren und an den Stränden.

„Das ist aktuell ein sehr spannendes Thema und wir freuen uns, den Besuchern diese Sonderausstellung zu präsentieren“, sagt Dr. Valeria Bers, die das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum seit Januar diesen Jahres leitet. Die großformatigen Motive der Fotoausstellung »Strand-Gut? Plastikmüll am Meer – Ursachen & Folgen« entstanden an der deutschen und niederländischen Nordseeküste, der französischen und schottischen Atlantikküste sowie im westafrikanischen Ghana.

Dabei wird deutlich, dass Plastiktüten, Flaschen, Schnüre und ähnliches nur der sichtbare Anteil sind. Die als Mikroplastik bekannten kleinen Kunststoffteilchen, oft aus dem Bereich der Kosmetikindustrie, zeigen sich nämlich erst unter dem Mikroskop. Michael Funcke-Bartz begibt sich in seiner eindrücklichen Ausstellung dem Plastikmüll am und im Meer visuell auf die Spur und vermittelt daneben über QR-Codes auch vertiefende Links mit Informationen zu den Hintergründen und Folgen.

T: 04932-2001
Mehr Informationen auch unter der Rufnummer 04932 / 2001 und im Internet unter www.wattwelten.de.

Eine Suite mit Meerblick

Sophie´s Boutiquehotel auf Norderney eröffnet im Mai

Von Inge Meyer

Norderney. Die Umbauarbeiten des neuen Sophie´s Boutiquehotel in der Halemstraße kommen gut voran. „Wir gehen davon aus, dass wir den Hotelbetrieb im Mai starte können“, sagt Jann Ennen, der das Hotel Jann von Norderney bereits eröffnete.

Die beiden neuen Hotels befinden sich in der ehemaligen DRK-Vorsorgeklinik, die bereits im Oktober letzten Jahres komplett entkernt wurde. In dem neuen Sophie´s Boutiquehotel stehen den Gästen 20 Zimmer zur Verfügung. Fast alle Zimmer an der Halemstraße haben einen schönen Meerblick und bodentiefe Fenster, so dass viel Licht einfällt.

„Es sind viele Anfragen nach Zimmern mit Meerblick“, sagt Ilka Buchhop, die rund 12 Jahre lang in der vorherigen Mutter-Kind-Kurklinik arbeitete und die Räumlichkeiten bestens kennt. So gibt es im zweiten und dritten Obergeschoss sowohl Familienzimmer mit bis zu zwei Kindern als auch Suiten, Doppelzimmer und Einzelzimmer. „Die Suiten haben ein zusätzliches kleines Wohnzimmer und Meerblick“, sagt Ilka Buchhop.

Außerdem befindet sich das bereits besetzte Büro der „Pflege am Meer“ im Erdgeschoss des neuen Sophie´s Boutiquehotel. Ilka Buchhop arbeitet zurzeit in einem Team von zehn Personen, die sich vom schönen Frühstück auf „Deck 12“ im Untergeschoss, bis zum Zimmerservice um alles kümmern. Das neue 4-Sterne Hotel ist mit einem Fahrstuhl ausgestattet und derzeit wird die Außenfassade auch farblich neu gestaltet.

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