Kommentar

Harte Lehren!

Von Thomas Klaus

Er hat alle juristischen Register gezogen, den Star-Verteidiger Gerhard Strate angeheuert und wie ein Löwe gekämpft. Doch am Ende half alles nichts: Der einstige Reeder und Vorzeige-Unternehmer Niels Stolberg, der seine Firma an die Weltspitze gelenkt hatte, muss seine Haftstrafe antreten. Denn Mitte Dezember hat der Bundesgerichtshof seinen Revisionsantrag verworfen und die Verurteilung des ehemaligen Beluga-Chefs zu dreieinhalb Jahren Haft für rechtmäßig erklärt.

Kreditbetrug, besonders schwere Untreue und Bilanzfälschung – die Straftaten sind ein heftiges Kaliber. Die Strafe wird Stolberg nun in der Justizvollzugsanstalt Oldenburg absitzen, weil er seinen letzten Wohnsitz in der Hunte-Stadt gehabt hatte. In seiner Zelle dürfte der 59-Jährige viel an seine goldenen Zeiten denken. Zeiten des wirtschaftlichen Erfolges, der Preise und Auszeichnungen sowie der gesellschaftlichen Anerkennung – als Schaffer der Schaffermahlzeit etwa oder Aufsichtsratsmitglied von SV Werder Bremen. Zeiten, in denen er von der „Schickeria“ im Nordwesten hofiert und gebauchpinselt wurde.
Von den (falschen) „Freunden“ werden Stolberg vermutlich kaum welche oder sogar keine geblieben sein. Finanziell steht es schlecht um ihn; die Gläubiger werden ihn noch jahrzehntelang verfolgen. Und der Ruf ist bis auf weiteres und möglicherweise auf Lebenszeit dahin.

Von seinem Lebenswerk sind in erster Linie Trümmer geblieben. Jedoch bleibt das Künstlerhaus auf der Insel Spiekeroog unter anderen Vorzeichen erhalten: Investoren aus Varel haben es erworben und starteten bereits mit dem Umbau. Noch höher wird der gesundheitliche Preis sein, den Nils Stolberg zahlen musste und muss.

Der Absturz des früheren „Bremer Unternehmer des Jahres“ 2006 und „Mutmachers der Nation“ 2008 gibt mir nach wie vor zu denken. Er wirft nachhaltige Fragen auf. Zum Beispiel: Wer lehrt Bodenhaftung und Demut, wenn der Ehrgeiz brennt und die Sinne zu verheizen droht? Wie bleibt man auch in der Chefetage offen für Kritik und ehrlich gemeinten Rat? Wie lernt man den Unterschied zwischen echten und falschen Freunden, guten und schlechten Beratern? Und: Wann ist eine Strafe hart, aber noch angemessen?

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