Kerkeling kein Spaßkandidat

Geestland. Ende September will die CDU/CSU als stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag einen Kandidatenvorschlag für das Amt des Bundespräsidenten vorlegen. Das nächste Staatsoberhaupt wird am 30. Januar 2027 gewählt. Die Amtszeit von Frank-Walter Steinmeier endet am 18. März des kommenden Jahres.

Wenn sich die Union mit dem Koalitionspartner SPD auf einen gemeinsamen Kandidaten (oder eine Kandidatin) verständigen sollte, könnte die Sache schon gelaufen und mal wieder nach parteipolitischer Arithmetik entschieden sein.

Doch wäre das wirklich so gut? Oder wäre es nicht Zeit für einen Bundespräsidenten von außerhalb des Parteienlagers?

Im Sommer 2026 drehte sich das Kandidatenkarussell noch langsam. Auf ihm sitzt Ilse Aigner, die Präsidentin des Bayrischen Landtages. Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates und CSU-Vorsitzender, hatte die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin und spätere Landesministerin aus seinem Kabinett vorgeschlagen. Manche politische Beobachter mutmaßen, dass Söder so auf charmante Weise eine innerparteiliche Rivalin loswerden will.

Nicht von Parteien Gnaden, aber aufgrund einer Online-Petition sitzt ebenfalls der Entertainer und Komiker Hape Kerkeling auf diesem Karussell. Besagte Petition trug Ende Juli immerhin rund 143.000 Unterschriften. Die Initiatoren der Petition meinen es ernst. Der Künstler sei „kein Spaßkandidat“. Vielmehr könne er Menschen auf Augenhöhe mitnehmen und „Brückenbauer für eine verunsicherte Gesellschaft“ sein. Ein Bundespräsident müsse die Herzen erreichen. Gleichzeitig müsse er eine moralische Instanz sein, argumentieren die Organisatoren. Kerkeling könne das gewährleisten, wie er zum Beispiel mit seiner ergreifenden Rede in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald im April 2026 sowie seinem sozialen Engagement bewiesen habe. Der Haken: Kerkeling fühlt sich nach eigenen Worten geehrt, möchte jedoch nicht antreten. Zumindest nach dem derzeitigen Stand.

Worte & Taten gegen die Spaltung

Nichtsdestotrotz ist das Nachdenken über einen Kandidaten oder eine Kandidatin ohne Verflechtung mit dem Parteienbetrieb, der von einer möglichst breiten Mehrheit in der Bundesversammlung gewählt werden sollte, nicht abwegig. Zumal Quereinsteiger im höchsten Amt des Staates wie Roman Herzog oder Joachim Gauck bisher eine gute Figur gemacht haben.

Für einen Kandidaten von außerhalb des parteipolitischen Lagers spricht auch, dass sich die Aufgaben des Bundespräsidenten – vom Repräsentieren abgesehen – in Grenzen halten. Dem Grundgesetz zufolge vertritt der Bundespräsident den Bund völkerrechtlich. Er beglaubigt und empfängt die Gesandten, ernennt und entlässt den Bundeskanzler, die Bundesminister, Bundesrichter sowie hohe Bundesbeamte und Offiziere. Außerdem unterschreibt der Bundespräsident die Gesetze.

Der Bundespräsident kann zwar theoretisch den Bundestag auflösen. Das ist in der Geschichte der Bundesrepublik bisher aber lediglich dreimal (1972, 1983 und 2005) vorgekommen.

Um so wichtiger ist das Repräsentieren im „Jobprofil“ eines Bundespräsidenten. Er muss die richtigen Worte finden, die die Menschen und die Gesellschaft ein Stück weit zusammenführen und die Spaltung des Landes verringern können, ohne dass ihm parteipolitische Hintergedanken vorgeworfen werden. Und er muss mit den richtigen Taten Akzente für eine offene und solidarische, tolerante und respektvoll miteinander umgehende Gesellschaft setzen. Menschen wie Hape Kerkeling ist das zuzutrauen.