Ab dem 1. November 2021 bekommen Ungeimpfte keinen Verdienstausfall mehr erstattet, sofern sie sich als Kontaktpersonen von Corona-Infizierten oder als Reiserückkehrer aus einem ausländischen Risikogebiet in Quarantäne begeben müssen.

Wer sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen kann, hat in Sachen „Lohnfortzahlung bei Quarantäne“ nichts zu befürchten. Allerdings wird diese Gruppe immer kleiner, seitdem die Ständige Impfkommission auch Schwangeren und Stillenden eine Corona-Impfung empfiehlt. So haben es die Gesundheitsminister im September beschlossen. Begründet wird das damit, dass mittlerweile alle impfwilligen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein Impfangebot hätten wahrnehmen können.

Die Argumentation ist aus Sicht der Impfbefürworter schlüssig: Wer sich nicht impfen lässt, nimmt unnötige Risiken in Kauf, deren wirtschaftliche Folgen etwa bei dem Aufenthalt auf einer Intensivstation auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Und er verhält sich unsolidarisch insbesondere gegenüber Kindern oder denjenigen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können.

Aber heikel ist der Minister-Beschluss trotzdem. Weil er die konkrete Umsetzung den Unternehmerinnen und Unternehmern aufbürdet. Das kann in vielen Fällen – je nach dem Anteil der Geimpften und Genesenen an der Belegschaft – zu Unfrieden führen und den Zusammenhalt unter den Beschäftigten empfindlich stören. Denn bekanntlich bestehen weder eine allgemeine Impfpflicht noch eine Auskunftspflicht der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers gegenüber der Firma.

Da braucht es Fingerspitzengefühl und den engen Schulterschluss mit den Arbeitnehmervertretungen. Damit individuelle und praxistaugliche Konzepte entwickelt werden können. Das alles mit dem Ziel, Corona-Fälle im eigenen Unternehmen zu verhindern und einen Beitrag dazu zu leisten, dass es im Herbst/Winter nicht doch noch einen weiteren Lockdown geben wird. Der wäre eine absolute Katastrophe.

Manch ein Unternehmer wird sich trotzdem gezwungen sehen, aus der Firmenkasse den Lohn weiter zu zahlen. Möglicherweise ist ihm das nämlich lieber, als ungeimpfte Beschäftigte, die ihren Impfstatus verschweigen, zur Arbeit kommen und Kolleginnen und Kollegen anstecken.