Kategorie: Finanzmarkt

Krisen sollten Chancen sein

Rund 280 Mitglieder nahmen an dem Verbandstag des GVWE teil

Oldenburg. Die mehr als 300 genossenschaftlichen Unternehmen mit rund 18.000 Beschäftigten sind eine wirtschaftliche Stütze in Weser-Ems und gerade in der Krise „systemrelevant“. „Der Ökolandbau allein kann die Versorgung mit hochwertigen und gleichzeitig bezahlbaren Lebensmitteln nicht sichern“, betonten die Verbandsdirektoren Johannes Freundlieb und Axel Schwengels vom Genossenschaftsverband Weser-Ems e.V. (GVWE) beim Verbandstag in der Weser-Ems-Halle vor rund 280 Teilnehmern aus den Mitgliedsunternehmen.

Das geplante Europäische Einlagensicherungssystem für Banken (EDIS) werde in der vorgeschlagenen Form weiterhin abgelehnt. Die Einführung wäre mit erheblichen Nachteilen auch für die 1,2 Millionen Kunden der mehr als 50 Volksbanken und Raiffeisenbanken verbunden. Die Energiewende brauche zudem bessere Bedingungen für eine breite Bürgerbeteiligung, wie sie die 70 Energiegenossenschaften in Weser-Ems ermöglichen. Die Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) mache diesbezüglich zwar Hoffnung, jedoch seien erhebliche Nachjustierungen erforderlich. „Die Vergütungssätze insbesondere im Bereich Solarstrom sind weiterhin zu niedrig und bieten zu wenige Anreize. Damit wird die Energiewende nicht gelingen“, so Freundlieb. Er forderte weiter, die Belastungen wie sie für die Unternehmen durch das ab 2023 geltende und durchaus sinnvolle Lieferkettengesetz entstehen würden, zu verschieben.

Die regionale Verbundenheit, die solidarische Ausrichtung und die genossenschaftliche Vielfalt seien gerade in Krisenzeiten wichtig, um die aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen erfolgreich zu meistern.“, sagte der neue GVWE-Verbandsrats Johann Kramer. Denn: Krisen sollten Chancen sein! Die Bankengruppe, die Ländlichen Genossenschaften, die Energiegenossenschaften und die sonstigen genossenschaftlichen Unternehmen aus den Bereichen Wohnen, Medizin, Gastronomie oder auch Kultur hätten trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Lebensmittelknappheit bedingt durch den Krieg wirtschaftlich erfolgreich und gesellschaftlich bereichernd agiert.

Insbesondere durch einen hohen Anteil an Eigenkapital seien die Genossenschaftsbanken sowie die Warengenossenschaften in Weser-Ems außerordentlich krisenfest. Dies ermögliche auch, dass regionale Kunst-, Kultur- und Umweltprojekte in der Region mit genossenschaftlichen Spenden von insgesamt 2,5 Millionen Euro unterstützt werden konnten. Der GVWE selbst sei bei einem Jahresumsatz von rund 20 Millionen Euro, den knapp 200 Beschäftigten erwirtschaften, leistungsstark, mitgliederorientiert und effizient aufgestellt.

Versorgungssicherheit wichtig

Unter anderem müsse die Versorgungssicherheit stärker in den Fokus rücken. Dafür brauche es vor allem eine starke konventionelle heimische Landwirtschaft, deren Rahmenbedingungen verbessert werden müssten. Die sich abzeichnenden weltweiten Lebensmittelkrisen könnten nicht mit einer global ökologisch ausgerichteten Landwirtschaft bewältigt werden. Natürlich solle der Bio-Anbau ein wichtiges Standbein der Agrarproduktion bleiben. „Untersuchungen zeigen jedoch, dass mit der ökologischen Landwirtschaft weltweit nur etwa die Hälfte der derzeitigen Weltbevölkerung ernährt werden kann“, sagte Freundlieb mit Bezug auf aktuelle Studien.

Die weltweiten Entscheidungsträger müssten darüber nachdenken, wie hochwertige Lebensmittel möglichst effizient und günstig produziert werden könnten. Die von der Europäischen Union angestrebte Verdreifachung der Biolandwirtschaft sei der falsche Weg. „Vielmehr brauchen die konventionellen Landwirte wieder mehr Respekt und Wertschätzung“, sagte der Verbandsdirektor. Ansonsten

könnten sich künftig nur noch Besserverdienende hochwertige Lebensmittel leisten.

Die Ländlichen Genossenschaften hätten sich trotz der schwierigen Lage auch 2021 einmal mehr als Partner von Landwirtschaft und Verbrauchern bewährt. Die 65 Waren- und Viehvermarktungsgenossenschaften sowie die genossenschaftlichen Molkereien hätten ihre Umsätze steigern können und seien verlässliche Dienstleister, Lieferanten und Produzenten gewesen. „Dies hat sich trotz der krisenbehaften jüngsten Monate auch im ersten Halbjahr 2022 bestätigt.“

VR-Banken mit Zuwächsen

Die mehr als 50 Genossenschaftsbanken Weser-Ems haben ihre robuste Verfassung auch im ersten Halbjahr 2022 bestätigt. Mit einem Betriebsergebnis von 0,86 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme vor Bewertung hätten die Häuser zur Jahresmitte ein solides Ergebnis eingefahren. Dieses liege nur leicht unter dem guten Vorjahresniveau. Die Kreditvergabe habe bis zur Jahresmitte um 4,63 Prozent auf insgesamt rund 27,6 Milliarden Euro zugelegt.

Die Einlagen der Kunden weisen in diesem Zeitraum ein Plus von 1,83 Prozent und damit ein Gesamtvolumen von mehr als 24 Milliarden Euro auf. Damit werde die 2021 erreichte Bilanzsumme von 35,93 Milliarden Euro zum Jahresende deutlich steigen. Allerdings gebe es durch die Kursverluste an den Kapitalmärkten sowie durch die Zinswende ausgelöste Bewertungsänderungen auch kurzfristig spürbare Belastungen für die Bankbilanzen.

Im Bereich der Erneuerbaren Energien forderte Freundlieb deutlichen Nachbesserungen, damit Investitionen und Projekte für Energiegenossenschaften wieder attraktiv würden. Die jüngste Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2023) habe erfreulicherweise viele der vom Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V. (DGRV) und dem GVWE geforderten Maßnahmen aufgegriffen. „Für die ambitionierten Klimaziele mit einer 80-prozentigen regenerativen Energieversorgung bis 2030 wird das aber nicht reichen“, sagte Freundlieb. Die Vergütungssätze für Solarstromprojekte müssten erhöht und die Ausnahmeregelungen für Bürgerenergiegesellschaften weiter gefasst werden. Auch das so genannte Energy Sharing müsse attraktiv geregelt werden, damit von Genossenschaften produzierter grüner Strom auch direkt vor Ort von deren Mitgliedern genutzt werden könne. Diese lokale regenerative Stromversorgung kann nach Ansicht von Fachleuten einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten.

Schaffen wir die kleinen Münzen ab?

Bargeld lacht! – Doch gilt das noch uneingeschränkt? Vielleicht wird den Ein- und Zwei-Cent-Münzen das Lachen bald vergehen. In jüngster Zeit werden Überlegungen über ihre Zukunft angestellt. Benötigen wir sie noch oder sollten wir besser auf sie verzichten? Die EU-Kommission hat schon 2013 wegen der gestiegenen Herstellungskosten eine Abschaffung der kleinen Münzen ins Gespräch gebracht. Sie kann allerdings nur durch eine für alle Euro-Länder einheitliche Entscheidung erfolgen. Deshalb ist der Vorschlag bisher nicht realisiert worden. Ein einheitliches Vorgehen aller Euro-Länder in dieser Frage ist derzeit nicht erkennbar.

Weiterlesen

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén